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Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau e.V. - Interview mit Anja Bonzheim

Interview mit Anja Bonzheim: "Damit sind die veganen Lebensmittel zwar in ihren Inhaltsstoffen vegan, unterstützen aber dennoch die Tierausbeutung."

Anja Bonzheim hat Ökolandbau an der Hochschule für nachhaltige Entwicklung Eberswalde (FH) studiert. Ihre Bachelor- und Masterarbeit schrieb sie über die Themen "Die bio-vegane Landwirtschaft in Deutschland: Definition, Motive und Beratungsbedarf" und "Potenziale und Herausforderungen möglicher überbetrieblicher Organisationsstrukturen für die bio-vegane Landbaubewegung im deutschsprachigen Raum". Sie ist im Vorstand des "Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau e.V." und setzt sich dort für die kontrollierte Form des bio-veganen Landwirtschaft ein: den biozyklisch-veganen Anbau. Ich habe mir Ihr über diesen Anbau, die Potenziale und die Herausforderungen gesprochen:

Als ich zum ersten mal von veganer Landwirtschaft gehört habe, fragte ich mich "Was ist an Obst & Gemüse nicht vegan?". Warum ist Gemüse nicht wirklich vegan ist und wo liegen dabei die Probleme?

Obst, Gemüse und Getreide enthalten keine tierischen Inhaltsstoffe, womit sie natürlich erstmal per Definition vegan sind. Dem Anspruch vieler Veganer*innen, Tierleid zu vermeiden und die Tierhaltung zu umgehen, hält Getreide, Gemüse und Obst jedoch oft nicht stand. Konventionelles Obst, Gemüse oder Getreide ist oft mit Giften gespritzt, welche die Bestäuberinsekten sowie die Tiere im Boden und in den Gewässern schädigen oder sogar töten. Biologisch angebaute pflanzliche Lebensmittel richten diesen ökologischen Schaden zwar nicht an, jedoch werden sie häufig mit Gülle, Mist, Jauche aus der wirtschaftlichen Tierhaltung oder sogar mit Schlachtabfällen aus konventionellen Schlachthäusern (oft sogar noch nicht mal europäische) gedüngt. Die Schlachtabfälle (Horn-, Haar-, Feder-, Blut-, Borstenmehle) sind auch im Ökolandbau zugelassen, da sie als Abfallstoffe günstig zur Verfügung stehen und schnell verfügbaren Stickstoff für die Pflanzen liefern.

Damit sind die veganen Lebensmittel zwar in ihren Inhaltsstoffen vegan, unterstützen aber dennoch die Tierausbeutung. Der vegane Gedanke muss bis zurück auf das Feld gedacht werden, ein Bereich, mit dem viele nicht so vertraut sind. Im biozyklisch-veganen Anbau ist die wirtschaftliche Tierhaltung sowie die Verwendung tierischer Dünge- und Betriebsmittel verboten, der Anbau erfolgt stattdessen mit pflanzlicher Kreislaufwirtschaft und Humusaufbau sowie mit Förderung der Artenvielfalt. Vegane Grundsätze werden hier also von Grund auf berücksichtigt.

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Als nächstes kommt dann immer der Satz "Gibt's dann auch keine Regenwürmer im Boden?" - inwiefern spielen Tiere im biozyklisch-veganen Anbau eine Rolle und worin liegt der Unterschied zwischen Regenwurm und Kuhhaltung?

Der biozyklisch-vegane Anbau hat den Anspruch, Tierleid zu vermeiden. Daher ist die Nutztierhaltung im klassischen Sinne verboten. Doch auch die wild lebenden Tiere werden berücksichtigt. Kein anderes Anbausystem legt so viel Wert auf die Förderung und den Schutz der Bodenorganismen, der Wassertiere und der Insekten. Die Steigerung der Artenvielfalt ist eine wichtige Maxime. Es geht also nicht darum, alle Tiere vom Feld zu verbannen.

Der Regenwurm ist ein wichtiger Helfer beim Aufbau von Dauerhumus. Was ihn von der Kuh im Stall unterscheidet, ist die Tatsache, dass er sich freiwillig entscheidet, auf unserem Land zu leben und er seine natürlichen Bedürfnisse ausleben kann, ohne eingesperrt zu sein.

Welche Aufgabe hat der Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau e.V.?

Der Förderkreis ist der ideelle, gemeinnützige Förderverein der biozyklisch-veganen Agrikultur im deutschsprachigen Raum. Er klärt zum einen Verbraucher*innen und den Handel über das neue biozyklisch-vegane Qualitätssiegel und die Hintergründe biozyklisch-veganer Produktion auf. Zum anderen ist der Förderkreis Ansprechpartner für Betriebe, die über eine Umstellung und Zertifizierung nach den biozyklisch-veganen Anbaurichtlinien nachdenken. Die Betriebe werden in ihrem Prozess unterstützt und beraten. Weiterhin versteht sich der Förderkreis als politische Interessenvertretung und als Organisation, welche Forschungsergebnisse und Erfahrungen aus der landwirtschaftlichen Praxis bündelt, der breiten Öffentlichkeit zu Verfügung stellt, diese sensibilisiert und informiert.

Wie bist du zum biozyklisch-veganen Anbau gekommen? Welche Rolle hast du im Verein?

Ich selbst habe mit dem Anspruch, unsere Umwelt zu schützen, zunächst Landschaftsnutzung und Naturschutz studiert, um schnell festzustellen, dass es vor allem die Landwirtschaft ist, welche unsere Natur zerstört und bedroht. Dass es die agrarischen Landnutzungsformen sind, die für viele ökologischen Probleme verantwortlich sind. Ich schwenkte um und studierte also Ökolandbau, was mich innerhalb eines Semesters zum Veganismus brachte. Biotierhaltung ist leider nicht ansatzweise so idyllisch wie man sie sich vorstellt. Mit meinen Grundsätzen, Tierleid zu vermeiden, passt sie jedenfalls nicht zusammen. Dieser Auffassung bin ich nach 8 Jahren immer noch.

Im Laufe meines Studiums machte ich mich mehr und mehr mit der Idee, vegan Landwirtschaft zu betreiben, vertraut und schrieb sowohl meine Bachelor-, als auch meine Masterarbeit zu diesem Thema. Auch nach dem Studium ließ es mich nicht los, da ich hierin so viele Vorteile für Klima, Ökologie, die ("Nutz-")Tiere und die globale Bevölkerung sehe. Mittlerweile bin ich im Vorstand des 2018 gegründeten Vereins Förderkreis Biozyklisch-Veganer Anbau e.V. und setze mich beruflich für eine andere Agrikultur ein.

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Was unterscheidet bioveganen Anbau vom biozyklisch-veganem Anbau?

"Bio-vegan" ist kein geschützter Begriff und zudem unklar in der Bedeutung. Viele vegan und ökologisch wirtschaftenden Betriebe nutzen diesen Begriff, um ihre Wirtschaftsweise zu beschreiben. Im Handel jedoch wird der Begriff "bio-vegan" auch verwendet, wenn von Produkten mit veganen Inhaltsstoffen, die nach Bio-Richtlinien angebaut (aber eben oft mit Schlachtabfällen gedüngt) wurden, gesprochen wird. Es gibt auch eine Backfirma mit dem Namen "Biovegan". Die Bezeichnung "aus biozyklisch-veganem Anbau" meint dagegen nur jene Produkte, welche nach den biozyklisch-veganen Richtlinien angebaut, damit ohne tierische Düngemittel gedüngt sind und i.d.R. auch von einer unabhängigen Kontrollstelle kontrolliert und zertifiziert sind.

Könnte der biozyklisch-vegane Anbau die Welt ernähren?

Zweifelsfrei! Durch den Wegfall der Tierhaltung würden enorm viele Flächen frei, die derzeit (sehr verschwenderisch, wie ich meine!) für den Anbau von Futtermitteln verwendet werden. Global gesehen ist das der Großteil des Ackerlandes. Die Umwandlungsrate von pflanzlichen Kalorien, wenn sie den Umweg über das Tieres durchlaufen, ist jedoch denkbar schlecht. Wir haushalten also sehr verschwenderisch mit den Nährstoffen, die wir zur Verfügung haben.

Wenn wir Lebensmittel anbauen würden, die direkt von uns Menschen konsumiert werden könnten, und dies in Mischkultur, mit einer großen Anbauvielfalt (wie es die vegane Ernährung ja auch erfordert!) und unter den Anforderungen des biozyklisch-veganen Anbaus, könnten sehr viel mehr Menschen satt werden. Voraussetzung ist natürlich auch eine Veränderung der Konsummuster.

Durch die Nutzung von biozyklisch-veganer Humuserde zur Wiederbelebung der Böden und Steigerung der Bodenfruchtbarkeit kann zudem erreicht werden, dass die Erträge steigen und damit mehr Menschen satt werden können. Biozyklisch-veganer Anbau hat nicht den Anspruch, aber doch das Potenzial weltweit angewendet zu werden. Zunächst müssen in meinen Augen diejenigen Länder, in denen das Wissen über die Problematik der Tierhaltung vorliegt, umdenken und eine andere Art der Agrikultur beginnen, zu leben.

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Was sind die Herausforderungen beim biozyklisch-veganen Anbau für Landwirte?

Zunächst müssen sich Öko-Landwirt*innen von dem Dogma lösen, Tierhaltung sei elementarer Bestandteil einer Kreislaufwirtschaft. Es können Kreisläufe sehr gut auch pflanzlich geschlossen werden. Betriebe müssen dazu langfristig ihr Nährstoffmanagement umstellen und mithilfe von vegetabilen Methoden düngen. Dies kann ein Mulchsystem sein, mithilfe einer Biogasanlage geschehen oder im besten Fall durch eine eigenbetriebliche Kompostierung. Pflanzlicher Aufwuchs muss direkt zur Düngung verwendet werden. Futterleguminosen, wie Kleegras, oder Körnerleguminosen, wie Ackerbohnen, dürfen nicht mehr als Futter verkauft werden, sondern werden zur Kompostierung oder als Mulchmasse verwendet.

Dadurch entfällt ein Betriebseinkommen, welches kurzfristig betrachtet, erst einmal fehlt. Langfristig wissen wir aber aus Erfahrung, dass durch eine intensive Kompostwirtschaft die Bodenfruchtbarkeit derart erhöht und die Widerstandsfähigkeit der Pflanzen so sehr gesteigert wird, dass die Erträge besser werden. Zudem ist ja das Ziel, dass Landwirt*innen, die ihre Produkte mit dem biozyklisch-veganen Gütesiegel auszeichnen, einen besseren Preis für die Landwirtschaft, für die sie sich entschieden haben, erhalten.

Wie wird der Anbau kontrolliert?

Wenn Erzeuger*innen sich für eine Umstellung entschieden haben, erfolgt eine Beratung und Betriebsbegehung durch eine*n Vertreter*in des Vereins, bei der wir auch den Biozyklischen Betriebindex erheben, der Auskunft darüber gibt, ob der Betrieb ökologische Ausgleichsflächen hat, auf die Förderung der Artenvielfalt achtet und für einen Abdriftschutz vor Einträgen aus benachbarten konventionellen Feldern sorgt. Die Betriebe werden dann auch Mitglieder im Förderkreis. Anschließend steht einer Kontrolle durch eine unabhängige Kontrollstelle nichts mehr im Wege. Sobald diese das Zertifikat ausgestellt hat, kann der Betrieb das biozyklisch-vegane Qualitätssiegel nutzen, um damit die vegane Erzeugung zu kennzeichnen.

Warum gibt es zur Zeit noch so wenig biozyklisch-vegane Betriebe in Deutschland? Was müsste sich ändern, damit die Zahl wächst?

Das Potenzial für den biozyklisch-veganen Anbau ist groß, etwa ein Viertel der Biobetriebe wirtschaftet ohne eigene Tierhaltung. Es ist aber so, dass die Biozyklisch-Veganen Richtlinien erst seit zwei Jahren erarbeitet wurden, damit der Bekanntheitsgrad im deutschsprachigen Raum noch begrenzt ist, und Betriebe noch nicht wissen, dass die Biozyklisch-Veganen Richtlinien durch die IFOAM akkreditiert und damit weltweit anwendbar, kontrollier- und zertifizierbar sind.

Neben der Aufklärung der Landwirt*innen braucht es auch die des Handels. Produkte mit einem Label kommen ja nur dann in die Regale der Supermärkte und Einzelhandelsketten, wenn die Einkäufer wissen, was sich hinter der biozyklisch-veganen Produktqualität verbirgt.

Daneben ist aber auch wichtig, dass es dann infomierte Konsument*innen gibt, die etwas mit dem Label anfangen können und die richtige Kaufentscheidung treffen. Wenn Betriebe sich nicht sicher sein können, dass das Label erkannt und nachgefragt wird, ist auch die Hemmung größer, sich für eine weitere Betriebskontrolle und zusätzlichen Aufwand zu entscheiden. Es ist also wichtig, auf allen Ebenen aufzuklären.

Es fehlt derzeit aber noch an Mitteln und Ressourcen, die biozyklisch-vegane Anbauweise und die Biozyklisch-Veganen Richtlinien bekannter zu machen. Der Förderkreis bezieht seine Mittel derzeit ausschließlich aus Mitgliedsbeiträgen und beginnt nun langsam damit, professionelles Fundraising zu betreiben.

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Wie kann ich als Verbraucher den biozyklisch-veganen Anbau unterstützen?

Die einfachste Art, diese Anbauweise zu fördern ist eine Mitgliedschaft im Förderkreis, denn mit mehr Unterstützer*innen können wir viel effektiver arbeiten. Auf der Seite www.biozyklisch-vegan.org sind Mitgliedsanträge zu finden. Wichtig ist auch, darüber zu sprechen und die Tatsache, dass veganes Gemüse meist mit Schlachtabfall gedüngt ist und es eine sinnvolle Alternative gibt, in die Gesellschaft zu tragen.

Wir freuen uns über Menschen, die Lust haben, sich im Verein zu engagieren, Betriebe überzeugen oder Vorträge in Ihrer Uni oder veganen Gruppe anleiern möchten. Und natürlich über Menschen, die, wenn das Label in den Lebensmitteleinzelhandel kommt, die richtige Konsumentscheidung treffen!

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